Der Mut wächst immer mit dem Herzen
und das Herz mit jeder guten Tat.
(Adolph Kolping)

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Wer die Menschen gewinnen will,
muß sein Herz zum Pfand geben.
(Adolph Kolping)

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Menschen sind wir Rechenschaft schuldig nach dem Gesetz,
aber Gott nach dem Herzen.
(Adolph Kolping)

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Für Christen ist nicht bloß der Himmel eine gemeinsame Heimat,
sondern auch die Erde, wo sie nämlich zusammen sind.
(Adolph Kolping)

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Die wahre christliche Liebe
muß aufs neue die Welt erobern.
(Adolph Kolping)

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Die Nöte der Zeit werden euch lehren,
was zu tun ist.
(Adolph Kolping)

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Wir können viel, wenn wir nur nachhaltig wollen;
wir können Großes, wenn tüchtige Kräfte sich vereinen.
(Adolph Kolping)

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Demokratie unter Druck – Warum uns Christinnen und Christen die Lage unserer Gesellschaft nicht gleichgültig sein darf

Wie steht es um unsere Demokratie? Und was hat das mit unserem Glauben zu tun? Mit diesen Fragen setzte sich Ordinariatsrätin Karin Schieszl-Rathgeb bei einem Vortrag am 13. April 2026 vor der Kolpingfamilie Rottenburg auseinander. Ihr zentrales Anliegen: Demokratie ist für Christinnen und Christen keine Nebensache. Wer an die gleiche Würde aller Menschen glaubt, kann nicht schweigen, wenn Ausgrenzung, Vereinfachung und Menschenverachtung stärker werden.

Was viele Menschen derzeit empfinden, brachte der Vortrag klar auf den Punkt: Die Welt wirkt unübersichtlich, Krisen überlagern sich, vertraute Gewissheiten geraten ins Wanken. Krieg, wirtschaftliche Sorgen, gesellschaftliche Polarisierung, digitale Beschleunigung und Künstliche Intelligenz verändern unseren Alltag tiefgreifend. Viele haben das Gefühl, kaum noch mitzukommen. Wo aber Überforderung wächst, wächst auch die Sehnsucht nach Klarheit. Dann werden jene stark, die einfache Schuldige benennen, die Welt in Freund und Feind einteilen und schnelle Lösungen versprechen.

Besondere Aufmerksamkeit galt deshalb der Rolle sozialer Medien. Dort, so Schieszl-Rathgeb, werde politische Kommunikation oft nicht mehr über Argumente entschieden, sondern über Emotionen, Zuspitzung und Aufmerksamkeit. Auch im baden-württembergischen Wahlkampf sei deutlich geworden: Auf Social Media zählten weniger Programme als Personen, Stimmungen und Erregung. Rechtsextreme Akteure seien in dieser Logik besonders erfolgreich. Zugleich trete Ideologie heute oft nicht grob und laut auf, sondern in scheinbar harmloser Form: schön, ästhetisch, anschlussfähig. Digitale Milieus wie sogenannte „Christfluencer“ oder „Tradwives“ vermittelten unter dem Anschein von Ordnung und Geborgenheit häufig ein Weltbild, das Vielfalt abwerte und feste Hierarchien verherrliche.

Dem setzte der Vortrag einen klaren christlichen Gegenakzent entgegen: Das christliche Menschenbild beginnt nicht mit Abgrenzung, sondern mit Beziehung. Nicht Herkunft, Nützlichkeit oder Zugehörigkeit entscheiden über den Wert eines Menschen, sondern seine unverlierbare Würde. Wer Familie, Tradition oder Religion gegen andere in Stellung bringe, missbrauche sie politisch. Gerade deshalb dürfe die Kirche hier nicht schweigen.

Christinnen und Christen setzen sich nicht aus Zeitgeist oder Parteipräferenz für Demokratie ein, sondern aus Glaubensgründen. Der christliche Glaube beginnt mit der Überzeugung, dass jeder Mensch Ebenbild Gottes ist. Daraus folgt: Kein Mensch darf herabgestuft, ausgegrenzt oder nach Herkunft, Religion oder Lebensweise bewertet werden. Demokratie ist deshalb für Christinnen und Christen jene politische Ordnung, die der gleichen Würde aller Menschen am ehesten entspricht. Mit Verweis auf das Zweite Vatikanische Konzil, auf Papst Franziskus und auf die Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar“ wurde deutlich: Rechtsextremismus ist nicht nur ein politisches, sondern auch ein theologisches Problem.

Zum Schluss lenkte Schieszl-Rathgeb den Blick auf die christliche Soziallehre und auf Adolph Kolping. Dessen Grundintuition sei bis heute aktuell: Menschen brauchen Bildung, Gemeinschaft und die Erfahrung, dass sie selbst etwas bewirken können. Die Prinzipien Personalität, Solidarität, Subsidiarität und Gemeinwohl seien auch heute ein Gegenprogramm zu Spaltung und autoritären Versuchungen.

So endete der Vortrag nicht mit Resignation, sondern mit einem Auftrag: Demokratie lebt davon, dass Menschen füreinander einstehen, Verantwortung übernehmen und Räume offenhalten, in denen Würde, Teilhabe und Zusammenhalt wachsen können.

Oder, wie Karin Schieszl-Rathgeb es auf den Punkt brachte: Nächstenliebe ist niemals unpolitisch.